Jörg Albrecht
Der junge Roman- und Theaterautor Jörg Albrecht hat sich vor einiger Zeit bereit erklärt uns Fragen über seine Arbeitsweisen und sein Literatur- und Kunstverständnis zu beantworten. Dabei ist aus der Not heraus etwas Tolles entstanden – nämlich ausführliche, inspirierende und tiefe Einblicke gebende Antworten, die direkt aus der Hand (Feder) Jörg Albrechts stammen. Das Interview wurde per email geführt.
Du schreibst Romane, Theaterstücke, Essays. Erst einmal, wie bist du zum Schreiben gekommen? Was ist das Schreiben für dich? Gibt es noch weitere Formen, die dich reizen?
Das war einfach irgendwann da, und schon sehr früh da. Unseren ersten Atari haben wir Weihnachten 1986 bekommen, ein Atari ST 1040, und dann parallel zum Schreibenlernen, technisch, in der Schule auch das Schreibenlernen in der Technologie, ohne die Mühe, den Tintenkiller anzusetzen, einfach den Cursor zurück und neu. Und dann gab es immer schon diese Serien, in allen möglichen Formen, Detektive, Superhelden, Teenager á la Beverly Hills 90210, und die Figuren, die da auftauchten, waren auch immer die Freunde um mich herum. Das war so was wie ein Anfang. Und irgendwie ist das dann hier gelandet. Und es ist auch dabei geblieben, daß es Serien gibt, und daß die Dinge in diesen Serien sich aus den Themen speisen, die die Realität gerade ausmacht. Dabei ist Realität alles, was mir zustößt, in jeglicher medialer Form. Das Schreiben besteht dann darin Material so anzuordnen, daß es abbildet, was ich erlebe. Wobei eben das erlebte Material möglichst selbst spricht. Das hört sich einfach an, ist es aber zum Glück nicht. Weil es immer schon um viele Themen geht, die sehr weit auseinanderliegen. Aber irgendwo gibt es Verbindungen, und die setze ich dann als Ausgangspunkt für die Texte, als Behauptung, eine These. Der Text selbst ist dann eigentlich der Versuch, diese Differenz verschiedenen Themen zu beschreiben. Und die Figuren/Sprecher/Stimmen besprechen diese Differenz also, manchmal im Versuch, sie aufzuheben. Aber die ist immer stärker. Die ist nicht zu schließen. Weil nicht nur die Themen so weit auseinanderliegen, sondern vor allem die unterschiedlichen subjektiven Wirklichkeiten im Material. Und alles, was darauf hinausliefe, dieses Material in den Faden einer geschlossenen Geschichte einzuordnen, wäre eine Schließung, aber eben eine absolut erzwungene narrative Schließung. Die Message wäre: Ja, es ist alles schwierig, in der Realität da draußen, aber wir in der Kunst können dem beikommen. Dream on, bitch! Diese Form von Erzählen, das wäre für mich immer der Versuch, zu schließen. Und ich kann das nicht, allein, weil sich Teile dieser Realität wie die Beziehungen zu den Menschen um mich herum oder auch mein Körper so schnell ändern, da kann ich nicht mal einen Plot zuendekonstruieren, bis er eigentlich schon wieder nichtig ist. Dieser Versuch, ständiges Ändern zu denken, heißt nicht, daß man neoliberaler Flexbilität das Wort und den Weg redet. Denn da geht es ja um ein festes Selbst, das mal so und mal so gebogen wird, aber die Forderung, die ja unerfüllbar ist, ist eben, daß man auch wieder in die Ausgangsposition zurückkehrt. Und wenn ich mich im Gegensatz dazu begreife als in ständiger Veränderung, wo eben keine Ausgangsposition möglich ist, kann ich nochmal Tempo raufschalten und in diesen Prozessen von Veränderung versuchen, Gegenwart erlebbar zu machen. Nicht 1:1, aber in den Mechanismen. You gotta say yes to another excess. Und dann eben auch berührt zu werden und zu berühren, wo es nicht programmierbar ist, weil das Material sich selbst findet, verschiedene Teile sich berühren, wo man es nie dachte, und man vielleicht an der Stelle, wo sich zwei Sätze berühren, auch selbst berührt wird. Deshalb mag ich auch das Hörspiel, das ganz sich-im-Ohr-Zusammenballen, das ausnahmsweise bilderlos-Sein, so daß man auf die Resonanz zurückgeworfen ist, die der Körper als Raum zustandebringt, im Hören.
Daran angehängt, welche neuen Formen der Literatur könnten durch das Internet/ eine immer weiter fortschreitende Technisierung der Wirklichkeit entstehen. Ich denke da gerade an dein Stück "Liebe in Zeiten der Fehlermeldung", welches sich ja nicht nur inhaltlich mit eben dieser Technisierung beschäftigt, sondern ihr auch selbst schuldig (geschuldet) ist; du liest den Text in zwei Videokameras vor, und lädst das Ergebnis bei Youtube hoch. ...Denkst du, dass sich beispielsweise eine solche Form durchsetzen könnte, und möchtest du das überhaupt?
Da wäre ja zu trennen, zumindest erstmal: Einerseits wie Literatur durch neue mediale Möglichkeiten aufbereiten, das wird ja inzwischen bei Myspace, Youtube, Facebook auch gemacht, teilweise von den Verlagen, ist also kommerziell schon durchdrungen. Andererseits aber, und das interessiert mich ja: Wie wird das, was um uns herum passiert, durch die jeweils neuen Technologien besser faßbar als zuvor? Das Gehirn mit seiner Plastizität ist nicht gleich dem Netz mit seiner Plastizität. Aber immerhin ist da irgendetwas, was wieder in Korrespondenz miteinander tritt. Viel mehr jedenfalls, als die Plastizität des Gehirns mit der angeblichen Plastizität von Figuren im neorealistischen Drama je in Korrespondenz treten kann, weil das zwei völlig unterschiedliche Dinge sind, mit einem Terminus benannt. Und wenn ich das beschreibe, wie es sich für mich im Alltag verhält, wie ich zum Beispiel durch meinen jahrzehntelangen Umgang mit Fehlermeldungen [denn die sind ja so alt wie das Prinzip Computer] auf einmal gecheckt habe, daß da eine Stelle zutage tritt, die Kommunikation heißt. Wo ich mehr von meinem Computer verstehe, als wenn alles läuft, wie es läuft, und niemand weiß, warum. Denn wenn es nicht mehr läuft, kann ich herausfinden, warum, und auf einmal bin ich mit der Kaputtheit von Kategorien konfrontiert, die sonst intakt und beweglich scheinen. Und das jetzt wieder mit Liebe zusammengedacht. Da verstehe ich eigentlich auch mehr von dem Menschen, der mir immer rätselhaft bleibt, auch wenn ich ihn liebe, wenn mal was schiefgeht. Mich interessiert ja nicht Technologie per se oder Medientheorie als reine Theorie, sondern im Schnittpunkt mit dem, wie es mir geht. What do you feel when I google you?, fragt Elke Krystufek. Das ist vielleicht einfach das, was im Web passiert, an Praxis und auch an Theorie, konzentriert und vor allem textbasiert. Auch in meinen Videos ist nicht die visuelle Qualität die entscheidende, sondern vor allem der Text, im besten Fall die Überkreuzung von beidem. Von daher ist ein youtube-Video machen vor allem eine Rückspeisung an den Ort, wo ein Text herkommt. Aber ich sehe das Web trotzdem nicht als neuen Ort für Literatur, da hat auch so viel an Versuchen in den Neunzigern nicht den Sprung von vergleichbaren Printformen ins Netz geschafft. Vielleicht weil da die Furcht vor dem Nicht-Erfüllen obskurer Anspruchskriterien zu groß ist, die doch immer noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. Und im Netzkunstbereich passiert da natürlich viel mehr, bei Leuten wie Manuel Bürger oder, ganz jung, Loshadka. Das sind natürlich Formen, die nicht vom doch eher anstrengenden Lesen am Bildschirm ausgehen. Mal schauen, was mit dem e-Book nun passiert. Wobei mein erster Eindruck ist, daß es zum Arbeiten mit Text sehr gut ist, praktisch, raumsparend, aber daß es weder die Literatur inhaltlich noch das Buch als Form erneuern oder ersetzen wird. Auch wenn es sehr schöne Gefühle sind, an die man sich erinnert, wenn man ein Buch liest und dabei ähnlich Knöpfe drückt, in einer ähnlichen Körperhaltung wie beim Gameboy.
Wie wichtig ist es dir so etwas wie ein Generationenbild zu zeichnen? Anders gesagt: Denkst du, deine niedergeschriebene Wahrnehmung spiegelt sich in der anderer? Was macht für dich den Grat zwischen digitaler Technikversessenheit und analoger Nostalgie aus?
Wie groß sind die Einschnitte zwischen Generationen noch, oder wie klein? Wie fein müßte die Unterscheidung dann werden, die Generationen einteilt? Sind Menschen, die jetzt zwanzig sind, schon die nächste Generation? Keine Ahnung. Ich kann nur weiterarbeiten, weiter durch diesen Versuch gehen, Realität zu beschreiben. Und dabei vielleicht so was wie den Übergang zu fassen, der gerade passiert, von dem Haptischen, Mechanischen, vielleicht auch Haltbareren des Analogen zum Digitalen, das seine Prozesse unsichtbar macht. Übergänge wie: Daß man ein Fotogeräusch braucht, um eine Kamera zu identifizieren, auch wenn sie digital ist und dieses Geräusch überhaupt nicht nötig. Es geht nicht darum, analoge gegen digitale Geräte auszuspielen, nur weil sie beide ähnlich erscheinen, also zum Beispiel die analoge Fotokamera und die digitale. Eher zu sagen, daß gerade diese Ähnlichkeit ja verrät, wie unterschiedlich sie sind. Und wie wir für uns dabei auch einen neuen Umgang mit so etwas wie Erinnerung und Geschichte beibringen müssen, indem wir einfach umgehen mit dem, was kommt und vor allem, wie es daherkommt. Das Digitale ist ja nicht per se geschichtsloser. Vielleicht kann man in der Beobachtung sogar erkennen, wie sich Geschichtsschreibung auch noch in rein analoger Zeit verhielt. Und ganz verloren ist das Analoge ja auch nicht. Und wenn es nur in der Kunst in Form von Polaroids oder Vinyl bleibt, ist es ja schon wieder drin, weil dann subjektive Wahrnehmung in dieser medialen Form in den großen Erfahrungsspeicher eingeht. Im Gegenzug können wir beobachten, wie zum Beispiel das Web als digitale Sphäre von welchen ökonomischen Interessen durchdrungen wird, immer wieder neu, bei jedem neuen großen Ding. Das geht noch schneller als früher, noch unverschämter. Aber mir scheint die Möglichkeit, das zu beobachten, schon auch ein Gewinn zu sein. Die Möglichkeit, Macht in Formen wie Geschichtsschreibung und Kommerzialisierung zu beobachten und deren Sprache aufzunehmen, zu radikalisieren und damit den Kontext, in dem ich lebe, nachzuzeichnen, um dann auch zu wissen: Das ist nur dieser Kontext, und es sind viele andere möglich, auch wenn der durch diese Machtformen bestimmt zu sein scheint, ist er immer nur ein möglicher. Und nie der einzig zu verwirklichende. Und an der Stelle hängt dann meine Wahrnehmung spätestens mit der anderer zusammen. Weil Sprache eben dieses Nichtverwirklichte immer auch aufzeigt, und in dem hängen wir ja alle viel mehr zusammen als in dem rein Verwirklichten.
In einem Essay, den du für die FAZ geschrieben hast, schreibst du, du könntest nicht mehr arbeiten, ohne, dass mehrere Fenster und manchmal auch noch skype geöffnet ist. Denkst du nicht, dass es vielen ähnlich geht, und findest du, dass in diesem Zusammenhang die strikte, strenge, alte Trennung von Arbeit und Freizeit nicht überholt ist?
Ja, dort, wo Konzentration unmöglich scheint, weil sich eben alles verteilt und nichts mehr konzentriert, da gibt es auf einmal die Intensitäten. Das würde ich eben nicht nur für Wahrnehmung so sehen, sondern auch für soziale Prozesse, für die Erlebnisse im urbanen Raum, für Sex, da trägt uns die Ekstase aus uns heraus, und das ist der Punkt, wo ich angreifbar werde, weil ich mich nicht mehr zum Subjekt sammeln kann, und wo ich andererseits die Öffnung habe für die anderen. Wir werden vom anderen dekomponiert, schreibt Butler. Und dieses Dekomponieren, das immer noch das Komponieren beinhaltet, das im Akt des Zersetzens auch eine neue Art von Zusammensetzen findet, das ist die Grundlage von meiner Arbeit. Und das ist so, wie ich das Leben erfahre. Und Teil der Arbeit ist eben auch, das so weit wie möglich zu verbinden. Und dann bin ich dennoch absolut gegen die Abfeierei der Aufhebung zwischen Arbeit und Freizeit, wie sie Lobo, Friebe, Passig betrieben haben. Man kann in die luxuriöse Position kommen, sein Geld mit der Freizeit zu verdienen, aber man muß auch den Schritt mitmachen, diese fehlende Differenz dann zu reflektieren, und das muß jeder für sich machen, ein Prozeß, bei dem allgemeine Begriffe wie digitale Bohème sicher nichts bringen. Allein weil sie wiederum zu einem Instrument werden, um Freiheit einzuschränken: Wenn du digitaler Bohémien sein willst, mußt du auch das und das leisten können, sonst bist du es nicht, und dann ist die ewig dauernde Projektwoche auch schnell wieder vorbei. Ich glaube, man braucht da ein gutes Umfeld, das sich mit Gedanken macht, in dem man auch nicht funktionieren kann. Dabei stößt dann für mich dieser Networkgedanke auch an seine Grenzen. In New York zum Beispiel kann man sehen, wie stark die Leute immer dabei sind, zu networken. Jeder erzählt dir in drei Minuten seinen CV, und dann ist man fertig. Wenn man weiter ins Gespräch will, kommt nochmal der Dreiminutenloop. Wo soll ich da noch ansetzen, wo sind da offene Stellen, an denen überhaupt etwas wie Erleben stattfinden kann, gemeinsam? Das, was die Verbindung Arbeit und Leben in der Kunst meint, ist für mich etwas anderes. Da geht es um Unsicherheiten, Paradoxien, Öffnungen. Es geht nicht um den Dreiminutenloop, eher den Dreitausendstundenloop. Wo ich am Ende immer schon wieder so viel vergessen habe, daß ich nochmal von vorn will. Und wo ich dann auch immer wieder woanders reinkomme, und auch immer wieder andere reinkommen. You gotta say yes to another access.
Hast du ab und an - wie ja angeblich so viele Menschen - das romantische Bedürfnis auf dem Land, oder irgendwo im Süden zu leben, und auf einer Schreibmaschine zu schreiben, oder interessiert dich so etwas nicht? Wie du sagst, du könntest so nicht mehr arbeiten, aber wünschst du es dir/ würdest du es versuchen? Und wie gehst du größere Projekte an, zum Beispiel hast du bisher zwei Romane veröffentlicht?
Angefangen habe ich ja auch auf der Schreibmaschine. Angefangen habe ich auf einer alten Schreibmaschine meiner Eltern, und dann sehr schnell schon gegen den Atari eingetauscht, allein weil der nachts keine Geräusche macht. Na gut, der Nadeldrucker, der schon, auf dem Endlospapier, ach, SCHLUSS MIT DER NOSTALGIE! Und auch mit der Nostalgie, die sich ein Leben auf dem Land vorstellt, sich danach zurücksehnt, was es nie hatte. Das Problem ist, daß ich die Ruhe so lange nicht aushalte, zwei Wochen ja, drei oder vier Wochen vielleicht auch, das hatte ich so noch nie. Ich brauche aber meine Leute um mich herum. Und auch mehr als nur eine Person. Ich brauche die ganz unterschiedlichen Menschen, um mit ihnen über ganz unterschiedliche Dinge sprechen zu können. Und das immer. Auch bei den Romanen: Die Gespräche sind da so entscheidend. Eigentlich ist die Größe dessen, woran ich sitze auch erstmal egal, weil das, was ich versuche, ja sowieso eine größtmögliche Verlinkung ist. Das heißt, es kann jedes Thema kurz aufpoppen, wenn es mit den Figuren, Ideen oder Diskussionen im Text verlinkt ist, auch wenn es erstmal gemessen am Ganzen abseitig oder verquer scheint. Und gerade dann! Bei den Büchern, zumindest beim ersten, war das dann auch ein langer Arbeitszeitraum, und zwischendurch gar nicht sicher, ob das noch was wird, da gab es immer mal Lesungen daraus, Auskoppelungen, Abschweifungen der Figuren, und es war nie klar, ob das klappt. Ich glaube, es kommt darauf an, wie schnell auch die Gespräche um die Texte herum sich bewegen, manche führe ich ja nur mit wenigen Leuten, manche mit vielen, und je nachdem, welche Dynamiken sich ergeben, welches Material auf einmal dazukommt, geht es langsam oder schnell. Seit drei Jahren denke ich zum Beispiel am German Werwolf rum. Und dann gab es mal einen langen Text dazu und daraus dann Hörspiel- und Theatervarianten. Und jetzt lange wieder nur Notizen und neues Ordnen. Aber der lauert da irgendwo, um den Dialog weiterzuführen, der Werwolf.
Denkst du, dass Jugend(kultur) sich einmal wieder mehr über Literatur, und weniger über Musik definieren kann? Denkst du, dass eine Schwierigkeit darin liegt, dass man Musik Häppchenweise und Literatur nicht (oder doch?) konsumieren kann, also immer nebenher laufen lassen kann. Und wie ist das bei dir persönlich? Kannst du/ Kann man heute noch die Dinge nennen, über die du/ man sich definiert.
Definiert sich Jugendkultur noch über Musik? Oder eher über die Mode zur Musik? Und wie löst sich diese Mode inzwischen von der Musik ab? Und wie koppelt sie sich eher noch ans Netz, an Fashionblogs? Literatur hat schon sehr lange nur über Umwege da mitgespielt, darüber, daß Bands/Musiker ihre Wahrnehmung von einem Text in ihre Musik getragen haben. Das wird sich vielleicht nicht mehr ändern. Finde ich aber auch nicht schlimm. Es gibt aber Literatur, die ähnlichen Konsum erlaubt wie in der Musik, die kann man aufschlagen und einfach an jeder Stelle loslesen, und man fühlt sich nicht ausgeschlossen, weil eben keine Geschichte stattfindet, sondern weil viele kleine Schnipsel sich zusammentun. So wie bei Andreas Neumeister. Oder auch bei Jelinek. Die Geschichte geht immer wieder neu los, und zugleich ist die Geschichte immer auch sehr viele Geschichten auf einmal. Und das ist nicht unkonsumierbar, wie manchmal Leute behaupten, die dann Plots für konsumierbar halten. Das ist eine Wahrnehmungsform in Textform, die ja gerade von einem konsumierenden Subjekt ausgeht. Ich bin nur das, was ich konsumiere. Ich weiß, daß ich alles, was ich an Realität kriegen kann, brauche. Immer alles auf einmal. Und wie sich das dann verbindet. Das Zusammenstöpseln der Geräte. Das sind die Dinge, und nur über die kann ich mich definieren. Und deshalb ist es so schwierig, zu sagen: Das bin ich. Weil das morgen, je nachdem, was da so reinprasselt, auch wieder ganz anders aussehen kann. Weil sich in meinem Körper Prozesse abspielen, die kann ich weder kontrollieren noch kapieren, und die öffnen vielleicht irgendwas in meinem Hirn so, daß ich morgen auf einmal ganz andere Dinge wahrnehme. Einfach so.
